In einer Welt, die sich immer schneller dreht und in der die Herausforderungen komplexer denn je sind, brauchen junge Führungskräfte mehr als nur Wissen – sie brauchen „auf Lebenserfahrung, Reife [Gelehrsamkeit] und Distanz gegenüber den Dingen beruhende, einsichtsvolle Klugheit“ (Duden). Sie brauchen Weisheit. Und diese Weisheit entsteht, wenn Führungskräfte lernen! Aufgabenorientierung als Schlüssel nutzen, um mit gezielter Unterstützung selbst herauszufinden, wie sie ihre Aufgaben meistern können. Lesen Sie weiter, um zu entdecken, wie Sie nicht nur die Entwicklung junger Führungskräfte transformieren können. Leisten Sie gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag, um Ihre Organisation fit für die Zukunft zu machen.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten das Rad der Führungskräfteentwicklung neu erfinden. Anstatt Talente durch endlose Schulungen zu schleusen, übergeben Sie ihnen echte Verantwortung und begleiten sie auf einer individuellen Lernreise. Klingt gar nicht so revolutionär? Machen Sie schon? Wirklich? Wir möchten die Idee in diesem Artikel einmal konsequent zu Ende denken. Wir werfen einen Blick auf ein Lernverständnis, das konventionelle Methoden auf den Kopf stellt. Was wäre, wenn wir nicht länger versuchen würden, Wissen auf Vorrat in die Köpfe unserer Nachwuchsführungskräfte zu pressen? Sollten wir sie nicht eher durch praktische Erfahrungen und gezielte Unterstützung befähigen, ihre Fähigkeiten selbst zu entfalten. Der Schlüssel liegt darin, im Lernen Theorie und Praxis zu verbinden und dabei den Lernprozess vollständig neu zu denken.

Unsere derzeitige Vorstellung von Führungskräfteentwicklung ist oft von einer sehr alten Idee geprägt. Man muss zuerst Wissen ansammeln, um es dann irgendwann anzuwenden. Doch wie effektiv ist das wirklich? Studien zeigen, dass Menschen das meisten lernen, wenn sie unmittelbar mit echten Herausforderungen konfrontiert werden. Genau hier setzt unser umgedrehtes Lernverständnis an. Lassen Sie uns Aufgaben nicht nur als Mittel zum Zweck sehen, sondern als Chance für tiefgreifendes, individuelles Lernen. Denn dann verändern sich die grundlegende Frage. Es geht nicht mehr darum, welche Kompetenzen vermittelt werden müssen. Wir würden vielmehr vorhandene Stärken nutzen und durch reale Aufgaben weiterentwickeln können.

Das traditionelle Lernverständnis

Das traditionelle Verständnis von Führungskräfteentwicklung basiert auf einer stark schulisch geprägten Vorstellung vom Lernen. Es folgt dem Paradigma, dass Wissen und Kompetenzen zunächst gelehrt und später in der Praxis angewendet werden sollen. Dieses Modell ähnelt stark einem Bildungssystem, das wir alle durchlebt  und – oft – durchlitten haben. Vermeintlich Wichtiges wird „auf Vorrat“ vermittelt. Kapitel für Kapitel arbeiten die Lernenden durch, was andere für lehrenswert erachten. Es gilt, sich Fähigkeiten und Kenntnisse anzueignen, die Menschen irgendwann in ihrer beruflichen Laufbahn benötigen könnten. Doch genau hier liegt der entscheidende Denkfehler.

In der Praxis zeigt sich, dass dieses „Vorratslernen“ wenig effektiv ist. Junge Führungskräfte kommen frisch aus den Ausbildungsprogrammen und haben den Kopf voll mit theoretischem Wissen. Aber sobald sie mit den realen, oft komplexen Herausforderungen des Arbeitsalltags konfrontiert werden, fühlen sie sich überfordert. Der Grund dafür ist einfach: Wissen, das nicht unmittelbar angewendet wird, verblasst schnell. Ohne den Kontext, in dem es angewendet werden soll, bleibt das Wissen abstrakt.

Traditionelle Trainingsprogramme für Führungskräfte folgen oft einem klar strukturierten Curriculum. Das basiert oft auf einer mehr oder weniger genau definierten Vorstellung von wünschenswerten Kompetenzen einer Führungskraft. Die sind oft generisch und werden weder auf die individuellen Bedürfnisse und Erfahrungen der Teilnehmer noch die Kultur der jeweiligen Organisation zugeschnitten. Inhalte werden unabhängig davon vermittelt, ob sie im Erleben der Teilnehmer relevant sind und über welche Vorerfahrungen die Teilnehmer verfügen. Dieses „one-size-fits-all“-Prinzip ignoriert die Tatsache, dass jeder Mensch mit einem einzigartigen Erfahrungshorizont und individuellen Stärken in die Rolle der Führungskraft eintritt. Es ignoriert die Tatsache, dass jede Organisation eine eigene Kultur und Verhaltensregeln hat. Konsequenz: Lernprozesse werden ineffizient und frustrierend, weil sie nicht auf die spezifischen Herausforderungen und Kontexte der Lernenden abgestimmt sind.

Ein weiteres Problem solcher Ansätze ist ihre Linearität. Das Lernen erfolgt in vorgegebenen Schritten und in einem festgelegten Tempo, oft ohne Raum für Reflexion oder Anpassung an neue Erkenntnisse. Diese Herangehensweise verkennt, dass Lernen ein dynamischer und iterativer Prozess ist, der durch Erfahrung und Reflexion geprägt wird. In einer sich ständig verändernden Arbeitswelt ist es entscheidend, dass Führungskräfte flexibel auf neue Herausforderungen reagieren und ihre Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickeln können. Doch genau diese Flexibilität kommt in traditionellen Lernprogrammen nicht vor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass natürlich jedes Lernformat Lernchancen bietet. Denn jedes Angebot erzeugt irgendwann Resonanzen bei den Lernenden – in der Regel jedoch eher zufällig. Insofern helfen sie jungen Führungskräften nur begrenzt, die komplexen Anforderungen ihrer Rolle erfolgreich zu bewältigen. Es liefert ihnen im besten Fall eine theoretische Basis, lässt sie jedoch oft ohne die notwendige praktische Erfahrung und das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zurück. Um wirklich erfolgreich zu sein, brauchen junge Führungskräfte nicht nur Wissen, sondern die Möglichkeit, dieses Wissen in echten, herausfordernden Situationen anzuwenden – und dabei zu lernen und zu wachsen. Dies erfordert ein Umdenken in der Art und Weise, wie wir Führungskräfte ausbilden und unterstützen.

Von den Aufgaben her denken

Wenn das traditionelle Lernverständnis in der Führungskräfteentwicklung an seine Grenzen stößt, stellt sich die Frage: Wie können wir den Lernprozess besser gestalten? Die Antwort liegt in einem Lernverständnis, das aufhört, Wissen auf Vorrat zu vermitteln. Stattdessen koppelt es den Lernprozess direkt an reale Aufgaben und Herausforderungen. Dieses neue Paradigma stellt die bisherige Logik auf den Kopf und fokussiert sich darauf, Lernen als einen dynamischen, kontextgebundenen Prozess zu gestalten, der eng mit den täglichen Anforderungen und der individuellen Entwicklung der Führungskraft verknüpft ist.

Der Kern dieses umgedrehten Lernverständnisses besteht darin, junge Führungskräfte nicht erst auf eine zukünftige Anwendung von Wissen vorzubereiten. Es bindet sie von Beginn an in echte Aufgaben ein, die unmittelbare Relevanz für ihre Rolle haben. Anstatt Wissen in abstrakten Trainingssituationen zu vermitteln, werden sie direkt mit den Herausforderungen konfrontiert, die sie in ihrer täglichen Arbeit bewältigen müssen. Dadurch wird das Lernen nicht nur praxisnäher, sondern auch nachhaltiger. Denn wenn Führungskräfte im Rahmen realer Projekte arbeiten, sind sie gezwungen, aktiv zu lernen, zu reflektieren und sich kontinuierlich anzupassen.

In diesem Kontext spielen Erfahrungen eine zentrale Rolle. Lernen geschieht natürlich auch im Seminarraum, vor allem aber im direkten Austausch mit der Realität. Junge Führungskräfte werden dabei unterstützt, ihre bereits vorhandenen Kompetenzen weiterzuentwickeln und auf neue Herausforderungen zu übertragen. Sie lernen, nicht durch vorgegebene Lösungen, sondern durch das Bewältigen realer Probleme. Das fördert nicht nur ihre fachlichen Fähigkeiten, sondern auch ihre Selbstwirksamkeit und das Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit. Die Frage lautet nicht länger: „Was müssen wir ihnen beibringen?“ sondern vielmehr: „Welche Aufgaben geben wir ihnen, damit sie lernen können?“

Ein ganz entscheidender Aspekt solchermaßen auf die Füße gestellten Lernverständnisses ist die individuelle Begleitung und Unterstützung im Lernprozess. Anstatt sich auf generische Trainingsinhalte zu verlassen, muss der Lernweg individuell gestaltet werden. Durch gezielte Reflexion, Feedback und Coaching – sei es durch menschliche Mentoren oder KI-gestützte Assistenten – wird der Lernprozess kontinuierlich angepasst und optimiert. Die Führungskraft wird dadurch in die Lage versetzt, ihre Erfahrungen zu analysieren, daraus zu lernen und die nächsten Schritte selbstbewusst zu gehen. Der Lernprozess wird nicht nur effizienter, sondern auch tiefgreifender, weil er eng an die tatsächlichen Bedürfnisse und Potenziale der Führungskraft gekoppelt ist. Wie das aussehen kann, haben wir in unserem Blogbeitrag über Lernprojekte beschrieben.

Lernprojekte statt Schulungen: Der Weg zur Führungskompetenz

Wie wäre es, Sie dürften auf die fruchtlosen Versuche verzichten, junge Führungskräfte durch nutz- und endlose Schulungen zu formen. Stellen Sie sich stattdessen vor, Sie dürften ihnen echte Projekte zuweisen, die sie herausfordern und gleichzeitig stärken. Was wäre, wenn der Schlüssel zu erfolgreicher Führung nicht darin liegt, Kommunikationskonzepte in Schulungsräumen zu predigen. Stellen Sie sich stattdessen vor, junge Führungskräfte würden die eigene Praxis mit Hilfe solcher Konzepte reflektieren, neu denken und neue Ideen direkt in der Praxis ausprobieren, also dort, wo es wirklich zählt. Genau darum geht es in diesem Artikel.

Dieses umgedrehte Lernverständnis braucht ein konsequentes Umdenken in der Führungskräfteentwicklung. Es verlangt, dass wir wegkommen von vorgedachten Trainingsinhalten hin zu dynamischen, kontextbezogenen Lernprozessen, die sich an den realen Anforderungen und am realen Kontext orientieren. So entstehen Führungskräfte, die nicht nur theoretisch wissen, was zu tun ist, sondern die Weisheit besitzen, in den entscheidenden Momenten richtig zu handeln – und genau das ist es, was moderne Organisationen brauchen, um in einer komplexen und sich ständig wandelnden Welt erfolgreich zu sein.

Vorteile eines Aufgaben-orientierten Lernverständnisses

Ein an Aufgaben orientiertes Lernverständnis bietet eine Vielzahl von Vorteilen, die weit über die gängigen Methoden der Führungskräfteentwicklung hinausgehen. Indem es den Lernprozess direkt an reale Aufgaben und Herausforderungen koppelt, schafft es eine praxisnahe und kontextbezogene Lernumgebung, die nicht nur das fachliche Wissen stärkt, sondern auch die persönliche und berufliche Entwicklung der Führungskräfte nachhaltig fördert.

  1. Praxisnähe und Relevanz:

Einer der größten Vorteile des umgedrehten Lernverständnisses ist die unmittelbare Praxisnähe. Anstatt in Trainingsräumen hypothetische Szenarien durchzuspielen, lernen junge Führungskräfte direkt am Arbeitsplatz. Sie übernehmen Verantwortung für reale Projekte und Aufgaben, die unmittelbar Einfluss auf ihre Organisation haben. Dadurch wird das Lernen nicht nur relevanter, sondern auch motivierender. Die Führungskräfte sehen den direkten Zusammenhang zwischen ihrem Handeln und den Ergebnissen, was zu einer höheren Identifikation mit den Aufgaben und einem tieferen Verständnis der Lerninhalte führt.

  1. Individuelle Förderung:

diese Form des Lernens ermöglicht eine maßgeschneiderte Entwicklung, die auf den individuellen Stärken und Bedürfnissen der Führungskräfte aufbaut. Jeder Mensch bringt unterschiedliche Vorerfahrungen, Fähigkeiten und Potenziale mit. Die enge Verzahnung von Lernen und Arbeiten nutzt diese individuellen Voraussetzungen gezielt und entwickelt sie weiter. Anstatt allen Führungskräften dieselben Inhalte aufzuzwingen, passt der Lernprozess zu den spezifischen Herausforderungen und Zielen der einzelnen Person. Dies führt zu einem effektiveren und nachhaltigen Lernprozess, der die Führungskräfte nicht überfordert, sondern sie in ihrer Entwicklung unterstützt.

  1. Stärkung der Selbstwirksamkeit:

Ein weiterer zentraler Vorteil eines aufgaben-orientierten Lernverständnisses ist die Stärkung der Selbstwirksamkeit. Junge Führungskräfte erleben, dass sie durch ihre eigenen Anstrengungen und Entscheidungen tatsächlich etwas bewirken können. Indem sie selbst Lösungen für komplexe Probleme erarbeiten und direkt anwenden, gewinnen sie Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Dieses Vertrauen ist von unschätzbarem Wert, da es die Grundlage für langfristigen Erfolg in der Führungsrolle bildet. Sie entwickeln die Fähigkeit, auch in unsicheren oder herausfordernden Situationen souverän zu handeln, was ihre Resilienz und Flexibilität erhöht.

  1. Entwicklung von Weisheit statt Lernen (und Verlernen) auf Vorrat:

Während gängige Trainingsprogramme oft darauf abzielen, Wissen zu vermitteln, liegt der Fokus des aufgaben-orientierten Lernverständnisses auf der Entwicklung von Weisheit. Weisheit entsteht durch die Reflektion von Erfahrungen, durch das Verstehen von Zusammenhängen und durch die Fähigkeit, in komplexen Situationen angemessene Entscheidungen zu treffen. Durch die kontinuierliche Auseinandersetzung mit realen Herausforderungen und die Unterstützung durch gezieltes Feedback und Coaching wird die Führungskraft in die Lage versetzt, tiefere Einsichten zu gewinnen und fundierte Urteile zu fällen.

  1. Anpassungsfähigkeit und Agilität:

In einer dynamischen Arbeitswelt, in der Veränderungen an der Tagesordnung sind, ist die Fähigkeit zur Anpassung von entscheidender Bedeutung. Das aufgaben-orientierte Lernverständnis fördert diese Anpassungsfähigkeit, indem es den Führungskräften erlaubt, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten ständig weiterzuentwickeln und flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren. Dies macht sie nicht nur widerstandsfähiger gegenüber Veränderungen, sondern auch agiler in ihrer Rolle als Führungskraft.

Insgesamt führt das aufgaben-orientierte Lernverständnis zu einer tiefgreifenden Transformation der Führungskräfteentwicklung. Es schafft Führungskräfte, die nicht nur auf Wissen, sondern auf Erfahrungen, Reflexion und Weisheit aufbauen – genau das, was moderne Organisationen in einer komplexen und sich ständig wandelnden Welt benötigen.

Wie sieht das in der Praxis aus – zwei Beispiele

Um die Vorteile des Aufgaben-orientierten Lernverständnisses greifbar zu machen, wollen wir uns zwei Beispiele ansehen, die zeigen, wie dieser Ansatz in der Realität funktioniert und welche beeindruckenden Ergebnisse damit erzielt werden können.

Beispiel 1: Führungskräfteentwicklung in einem mittelständischen Technologieunternehmen

Ein mittelständisches Technologieunternehmen erlebte einen kräftigen Wachstumsschub und stand plötzlich vor der Herausforderung, junge Führungskräfte schnell und effektiv auf ihre neuen Rollen vorzubereiten. Statt auf traditionelle Schulungsprogramme zu setzen, entschied sich das Unternehmen für einen radikal anderen Ansatz: Sie haben Lernprojekte ins Leben gerufen, die unmittelbar mit den strategischen Zielen des Unternehmens verknüpft waren.

Eine junge Führungskraft beispielsweise wurde beauftragt, die Einführung einer neuen Entwicklungsumgebung zu leiten, die die Effizienz der Software-Produktion steigern sollte. Anstatt ihr zunächst theoretisches Wissen über Projektmanagement oder Software-Development zu vermitteln, erhielt sie direkt die Verantwortung für dieses Projekt. Begleitet wurde sie durch einen erfahrenen Mentor, der regelmäßig Feedback gab und sie in ihrer Entwicklung unterstützte. Zudem wurde sie Teil eines Peer-Coaching-Zirkels, in dem sie sich wöchentlich mit anderen Führungskräften austauschen und von deren Erfahrungen profitieren konnte.

Das Ergebnis: Die junge Führungskraft konnte nicht nur das Projekt erfolgreich abschließen, sondern entwickelte außergewöhnliche laterale Führungsfähigkeiten. Sie lernte, in komplexen Situationen Entscheidungen zu treffen, bewegte ihr Team und passte das eigene Handeln flexibel an neue Gegebenheiten an. Die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis führte dazu, dass sie sowohl Wissen ansammelte als auch echte Weisheit erlangte, die ihr in einer neuen Führungsposition halfen, schnell notwendige Anpassungen vorzunehmen.

Beispiel 2: Veränderungsmanagement in einem großen Dienstleistungsunternehmen

Ein großes Dienstleistungsunternehmen stand als Folge einer Fusion vor einem umfassenden Transformationsprozess. Um diesen Wandel erfolgreich zu gestalten, entschied sich die Geschäftsführung, jungen Führungskräften die Verantwortung für einzelne Teilprojekte zu übertragen. Diese Projekte umfassten sowohl operative als auch strategische Aufgaben, die entscheidend für den Erfolg der Transformation waren.

Eine junge Führungskraft, nennen wir sie Laura, übernahm die Aufgabe, ein neues Kundenmanagementsystem zu implementieren. Unterstützt wurde sie dabei von einem KI-basierten Lernassistenten, der sie durch den gesamten Prozess begleitete. Der Assistent half ihr, durch gezielte Fragen und Reflexionsanregungen, schwierige Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und abgewogene Entscheidungen zu treffen. Ergänzt wurde das durch ein begleitetes Peer-Coaching-Format, in denen sie offene Fragen und herausfordernde Situationen mit anderen besprechen und ihre Fortschritte reflektieren konnte.

Das Ergebnis: Laura konnte das Projekt nicht nur erfolgreich umsetzen, sondern entwickelte ein tiefes Verständnis für Veränderungsprozesse und die damit verbundenen Herausforderungen. Durch die unmittelbare Anwendung des Gelernten und die kontinuierliche Unterstützung durch den KI-Assistenten und das Peer-Coaching gewann sie an Sicherheit und Kompetenz. Sie wurde zu einer wichtigen Spielerin im Transformationsprozess des Unternehmens und gibt ihre Erfahrungen heute in weiteren Projekten weiter.

Diese Beispiele zeigen, wie ein Aufgaben-orientiertes Lernverständnis nicht nur theoretisch überzeugend ist, sondern in der Praxis beeindruckende Ergebnisse liefert. Indem junge Führungskräfte direkt in verantwortungsvolle Aufgaben eingebunden und durch gezielte Unterstützung begleitet werden, können sie ihre Fähigkeiten nachhaltig entwickeln und zur langfristigen Stärke ihrer Organisation beitragen. Aber Achtung: es sind junge Führungskräfte. Deshalb ist immer darauf zu achten, dass die Bedeutung der Aufgabe und das Risiko im Fall eines Scheiterns in einem überschaubaren Rahmen bleibt.

Schlussfolgerungen

Ein Aufgaben-orientiertes Lernverständnis bietet einen wegweisenden Ansatz für die Führungskräfteentwicklung, der weit über die traditionellen Methoden hinausgeht. Anstatt Wissen und Fähigkeiten auf Vorrat zu vermitteln, richtet es den Fokus auf das Lernen durch reale Aufgaben und Herausforderungen. Diese praxisorientierte, individuelle und dynamische Herangehensweise ermöglicht es jungen Führungskräften, nicht nur ihr Wissen zu erweitern, sondern tiefgreifende Weisheit zu entwickeln – eine Qualität, die in der heutigen, sich schnell verändernden Arbeitswelt von unschätzbarem Wert ist. Durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis in realen Projekten und durch gezielte Unterstützung, sei es durch Mentoring, Peer-Coaching, KI-Assistenz oder auch Coaching, werden Führungskräfte ermutigt, ihre Stärken auszubauen, ihre Selbstwirksamkeit zu erleben und ihre Anpassungsfähigkeit zu schärfen. Diese Lernmethode führt nicht nur zu einer höheren Relevanz und Effizienz des Lernens, sondern auch zu einer nachhaltigen Entwicklung, die sich langfristig positiv auf die gesamte Organisation auswirkt. Die in den Praxisbeispielen aufgezeigten Erfolge unterstreichen die Wirksamkeit dieses Ansatzes. Junge Führungskräfte, die in realen Projekten lernen, entwickeln nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern auch die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, strategische Entscheidungen zu treffen und in unsicheren Zeiten sicher zu navigieren. Dies macht sie zu wertvollen Akteuren in ihren Organisationen, die nicht nur aktuelle Herausforderungen meistern, sondern auch zukünftige Veränderungen aktiv gestalten können. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ein Aufgaben-orientiertes Lernverständnis eine tiefgreifende Transformation in der Art und Weise darstellt, wie wir Führungskräfte ausbilden und entwickeln. Es ist ein Ansatz, der auf praktische Erfahrungen, individuelle Förderung und kontinuierliche Reflexion setzt – und genau das ist es, was moderne Organisationen benötigen, um in einer komplexen und sich ständig wandelnden Welt erfolgreich zu sein. Wir meinen, die Zeit ist reif für ein Umdenken in der Führungskräfteentwicklung, hin zu einem Ansatz, der Weisheit über Wissen stellt und junge Führungskräfte auf ihrem Weg zu echten Führungspersönlichkeiten begleitet.

Begriffe erklärt:

Aufgaben-orientiertes Lernverständnis

Ein aufgaben-orientiertes Lernverständnis beschreibt einen Ansatz in der Führungskräfteentwicklung, bei dem der Lernprozess direkt an reale Aufgaben und Herausforderungen gekoppelt ist. Anstatt Wissen in theoretischen Schulungen zu vermitteln, stehen echte Projekte und die damit verbundenen Probleme im Fokus. Dieses Verständnis fördert praxisnahes Lernen und hilft Führungskräften, ihre Fähigkeiten durch direkte Anwendung zu entwickeln.

Der Kern eines Aufgaben-orientierten Lernverständnisses:

  1. Praxisnähe: Lernen erfolgt durch die Arbeit an echten Aufgaben, die direkte Relevanz für die Führungsrolle haben.
  2. Individualität: Der Lernprozess ist auf die spezifischen Stärken und Bedürfnisse der Führungskraft abgestimmt.
  3. Nachhaltigkeit: Durch das unmittelbare Anwenden und Reflektieren von Erfahrungen wird tiefgehende Weisheit statt reinem Wissen erworben.

Selbstwirksamkeit Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Führungskräfte mit hoher Selbstwirksamkeit erleben, dass sie durch ihre Entscheidungen und Handlungen tatsächlich etwas bewirken können. Diese Überzeugung stärkt nicht nur das Selbstvertrauen, sondern auch die Resilienz in schwierigen Situationen.

Der Kern von Selbstwirksamkeit:

  1. Erfolgserlebnisse: Durch das Meistern realer Aufgaben wächst das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
  2. Eigenverantwortung: Selbstwirksame Führungskräfte übernehmen Verantwortung und treffen Entscheidungen, die sie zu Lösungen führen.
  3. Reflexion: Die kontinuierliche Reflexion von Erfahrungen fördert das Verständnis für die eigenen Stärken und Lernfelder.

Agilität in der Führung Agilität in der Führung

Agilität in der Führung bezeichnet die Fähigkeit von Führungskräften, flexibel auf Veränderungen und neue Herausforderungen zu reagieren. Agilität ist entscheidend in einer dynamischen Arbeitswelt, in der sich Rahmenbedingungen ständig ändern. Agile Führungskräfte passen ihre Strategien und ihr Verhalten kontinuierlich an die jeweilige Situation an.

Der Kern von Agilität in der Führung:

  1. Flexibilität: Agile Führungskräfte ändern ihre Vorgehensweise, wenn es die Situation erfordert.
  2. Anpassungsfähigkeit: Sie lernen ständig dazu und entwickeln ihre Fähigkeiten, um auf neue Herausforderungen angemessen zu reagieren.
  3. Resilienz: In unsicheren Zeiten bleiben sie handlungsfähig und führen ihr Team erfolgreich durch Veränderungen.

Vertiefende Literatur zum Thema

Das Konzept der Aufgabenorientierung gibt es erstaunlicherweise nur im Bereich der Sprachvermittlung. Der Kern des Konzepts findet sich aber in einer Vielzahl ähnlicher Ansätze wieder, im Action Learning, beim erfahrungsbasierten Lernen, im Problem-basierten Lernen usw.

  1. Michael J. Marquardt, H. Skipton Leonard, Arthur M. Freedman, Claudia C. Hill: Action learning for developing leaders and organizations. principles, strategies, and cases. American Psychological Press, Washington DC 2009 (erhältlich bei Lehmanns)
    Was genau ist Action Learning (AL)? AL ist ein wichtiges Schulungs- und Problemlösungsinstrument für Unternehmen. Einfach ausgedrückt handelt es sich um einen dynamischen Prozess, bei dem eine kleine Gruppe von Menschen reale Probleme in der Organisation löst und sich dabei darauf konzentriert, wie ihr Lernen dem Einzelnen, der Gruppe und der gesamten Organisation zugute kommen kann. Die Betonung des Lernens macht diesen Prozess eher zu einem strategischen als zu einem taktischen Prozess, der die Führungskräfte in die Lage versetzt, effektiver auf Veränderungen zu reagieren. AL entwickelt die Fähigkeit, zusammenzuarbeiten, Partnerschaften einzugehen, zu teilen, zu folgen und natürlich zu führen.
  2. D. A. Kolb: Experiential Learning. Prentice Hall, Englewood Cliffs, NJ. 1984 (erhältlich bei Thalia)
    Das 1984 erschienene Werk „Experiential Learning“ von David A. Kolb präsentiert eine umfassende Theorie des erfahrungsbasierten Lernens. Kolb entwickelt darin sein einflussreiches Modell des Lernzyklus, das vier Phasen umfasst: 1. Konkrete Erfahrung, 2. Reflektierende Beobachtung, 3. Abstrakte Begriffsbildung, 4. Aktives Experimentieren. Kolb argumentiert, dass effektives Lernen alle vier Phasen durchlaufen muss. Das Werk bietet sowohl theoretische Grundlagen als auch praktische Anwendungsmöglichkeiten des erfahrungsbasierten Lernens.
  3. Lombardo, Michael M; Eichinger, Robert W (1996). The Career Architect Development Planner (1st ed.). Minneapolis: Lominger. p. iv. (erhältlich bei ZVAB)
    Der Career Architect ist eine Komponente eines vollständig integrierten Produktpakets, das als Leadership Architect Suite bekannt ist und Werkzeuge und eine Methodik für alle Bereiche von der Organisationsentwicklung und der Erstellung von Stellenprofilen bis hin zu Schulungen, individueller Entwicklung, Teamentwicklung und Nachfolgeplanung bietet. Die Führungskompetenzen bilden das Herzstück der Suite und bieten eine gemeinsame Sprache für die Bewertung und Entwicklung von Personen und Organisationen.
    Interessant ist es vor allem, weil es das 70:20:10-Modell für Lernen und Entwicklung erstmals erwähnt. In einer Umfrage gaben die Befragten folgende Einflüsse auf ihr Lernen an: 70% durch anspruchsvolle Aufgaben, 20% durch entwicklungsfördernde Beziehungen, 10% durch Kursarbeit und Ausbildung. Die empirische Basis für das Modell ist allerdings sehr dünn (200 Befragte Personen).
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